Kattholzeiche bei Perdöl

Kattholzeiche bei Perdöl
Die Kattholzeiche steht am Feldweg vom Gut Perdöl zur Perdöler Mühle. Sie wird verschiedentlich als dickste Eiche Deutschlands beschrieben und ist dementsprechend eine der bekanntesten Eiche überhaupt. Den enormen Stammumfang hat sie durch große Stammauswüchse. Der Stamm soll diese Verdickung durch das wiederholte Abfressen junger Zweige vom Weidevieh bekommen haben. Die Stammbasis reagierte daraufhin mit starker Reiserbildung und Überwallung. Die Monumentale Eiche soll gegen Ende des 19. Jahrhundert bis in eine Höhe von 6 m herunter ihre Krone verloren haben. Die Eiche hat sich bis heute langsam regeneriert und einen neuen Gipfelast und Seitenäste gebildet. Heering schreibt 1906 im Forstbotanischem Merkbuch über die Eiche: „Besitzer Hirschberg. Am Wege von Perdöl nach der Perdöler Mühle, unmittelbar vor Kattholz. Starke Eiche (Quercus pedunculata). Die Eiche bildet einen Sockel durch große Stammauswüchse. Über diesen Auswüchsen (in 1,45 m Höhe) 5,80 m Umfang. In 1 m Höhe 8,70 m Umfang. Der Stamm bis zum ersten größeren Ast 6 m hoch, Gipfelhöhe ca. 12 m, Äste zum Teil dürr, Krone klein.“ Vom Stamm, der hohl ist und zum Weg hin eine große Öffnung hat, gehen mehrere abgestorbene Äste ab. Bis vor ein paar Jahren ging in etwa 8 m Höhe ein abgestorbener Ast über den Feldweg. Dieser wurde jedoch im Jahr 2010 aus Sicherheitsgründen Stamm nah entfernt. In gleicher Höhe befindet sich eine rußgeschwärzte Höhlung, die von einer Feuerstelle stammen soll. Der Zustand der Eiche ist nicht am besten, die Vitalität ist aber noch in Ordnung.
Ort: Perdöl
Gemeinde: Belau
Landkreis: Plön
Bundesland: Schleswig-Holstein
Höhe: 35 m über NN
Baumart: Stieleiche
Alter: etwa 400 Jahre
Brusthöhenumfang: 11,10 m (1,4 m Höhe)
Taillenumfang: 7,70 m (2 m Höhe)
Höhe des Baumes: 13 m
Kronendurchmesser: 13 m
Jahr der Messungen: 2017

Die Umfangsmessung gestaltet sich sehr schwierig. Durch den enorm breiten Stammfuß und dem Standort an einem kleinen Hang vom Weg zur Wiese, führen geringe Differenzen in der Messhöhe zu starke Unterschiede. 10 cm höher oder tiefer, schon hat man einen Wert der um 1 m abweichen kann. Misst man vom Weg aus, also die Hangoberseite, in genau 1,3 m Höhe waagerecht um den Stamm, führt das Bandmaß um sehr flach verlaufende Stammpartien. Dann kommt man auch auf über 12 m Umfang, womit es die dickste Eiche in Deutschland wäre. Sowie man aber die Enden des Bandmaß etwas stramm zieht, rutscht es nach oben. Misst man den Umfang des Stammes in dem Bereich, wo der flache Stammbereich in den steileren Bereich übergeht, hat man eine Messhöhe von etwa 1,4 m Höhe. Und hier beträgt der Umfang dann 11,10 m. Das ist für mich das BHU-Maß, wenn auch etwas zu hoch gemessen. Damit wäre sie hinter der Großen Eiche in Ivenack (BHU: 11,70 m, 2016) die zweit dickste Eiche Deutschlands. Heering hat bereits vor über 100 Jahren abweichend von seiner üblichen Messmethodik gemessen, um so den verdickten Stammbereich nicht zu sehr mit einfließen zu lassen. 1906 hat er in 1,45 m Höhe, Hangoberseitig, einen Stammumfang von 5,80 m gemessen. In 2 m Höhe beträgt der Umfang 7,70 m, in 2,5 m Höhe, oberhalb von Stammverdickungen, beträgt der Umfang nur noch 6,11 m. Die Ivenacker Eiche hat zum Vergleich in gleicher Höhe einen Umfang von 10,26 m (2016).

Kattholzeiche bei Perdöl
Kattholzeiche um 1906,  Wilhelm Heering, Forstbotanischem Merkbuch
Kattholzeiche um 1906, Wilhelm Heering, Forstbotanischem Merkbuch

Literatur

  • Stefan Kühn, Bernd Ullrich, Uwe Kühn: Deutschlands alte Bäume: Sagenhafte Baumgestalten zwischen Küste und Alpen. 7. Auflage, Neuausgabe. BLV Verlagsgesellschaft, München 2014, ISBN 978-3-8354-1224-8, Seite 47.
  • Bernd Ullrich, Stefan Kühn, Uwe Kühn: Unsere 500 ältesten Bäume: Exklusiv aus dem Deutschen Baumarchiv. 2. neu bearbeitete Auflage. BLV Buchverlag, München 2012, ISBN 978-3-8354-0957-6, Seite 50.
  • Fritz Heydemann: Alte Eichen im Kreis Plön: Ergebnisse einer Kartierung der ältesten und dicksten Bäume. In: Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Plön. 29. Jahrgang 1999. Plön 1999, Seiten 45-46.
  • Hans Joachim Fröhlich: Band 6, Schleswig Holstein, Hamburg und Bremen. In: Wege zu alten Bäumen. WDV-Wirtschaftsdienst, Frankfurt 1994, ISBN 3-926181-21-4, Seite 72.
  • Wilhelm Heering: Bäume und Wälder Schleswig-Holsteins. Ein Beitrag zur Natur- und Kulturgeschichte der Provinz. Schmidt & Klauning, Kiel 1906, Seite 161.
  • Wilhelm Heering: Forstbotanisches Merkbuch: Nachweis der beachtenswerten und zu schützenden urwüchsigen Sträucher, Bäume und Bestände im Königreich Preussen. IV Provinz Schleswig Holstein, Gebrüder Bornträger, Berlin 1906, Seite 84.
Letztes Update: 2. April 2017